Teil 4: Vom Rohteil zum Modell
Die Besuche bei mehreren, über verschiedene Provinzen verteilten Herstellern bilden den Kern dieser Exkursion. Dabei interessiert mich weniger das Endprodukt in der Vitrine, sondern der Weg dorthin:
Wie sind die Arbeitsplätze organisiert? Der Prozess beginnt mit dem Design und der Konstruktion. Aus zugelieferten Unterlagen, wie technischen Zeichnungen und Recherchematerialien zu den Fahrzeugen, werden mithilfe von CAD 3D-Modelle erstellt, die den Originalfahrzeugen in nichts nachstehen. Diese Zeichnungen und Urmodelle werden dann an die Arbeiter und Zulieferer weitergegeben, die die Einzelteile fertigen.
Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind nach verschiedenen Aufgaben strukturiert, sodass sie ihre Fähigkeiten ausbauen und spezialisieren können. Eine Mitarbeiterin ist beispielsweise ausschließlich für das Aufbringen von Decals zuständig, darunter Warnanstriche, Beschriftungen und mehr. Ein anderer Mitarbeiter konzentriert sich darauf, aus den vorgefertigten Formen Wachsabgüsse herzustellen und Gußbäume zu erstellen.
Welche Arbeitsschritte sind besonders kritisch? Das Herstellen von manch einem Teil in Handarbeit sowie das Verlöten der vielen Einzelteile. Hier gibt es nur wenig Toleranzen, die ein Modell vertragen kann. Etwa die Bremseinrichtung an den Radsätzen. Diese darf ein Mindestmaß an Abstand zum Radsatz nicht unterschreiten. Passiert dies doch, kommt es gerade in engen Radien dazu, dass der Radsatz immer wieder an den nachgebildeten Grauguß-Bremsklotzsohlen schleift. Dadurch wird die Farbe und Grundierung abgenommen und es kommt früher oder später zu einem Kurzschluss, der im schlimmsten Falle den Decoder zerstört.
Wo entstehen typische Fehler – und warum? Mangelndes Wissen der Konstrukteure und Arbeiter zu den Vorbildfahrzeugen, aber auch zum System Eisenbahn überhaupt können zu entsprechenden Fehlern führen. Fertigt ein Hersteller für Kunststoffmodelle etwa diese Fahrzeuge nur in geringem Maße, stellt ansonsten aber eher Haushaltsartikel in großen Mengen her, bei denen geringe Toleranzen nicht von Belang sind, gilt es besonderes Augenmerk auf die hergestellten Handmuster zu legen. Sonst entstehen Anbauteile wie Rangiertritte oder weiteres, die nicht zum Modell passen oder falsch ausgelegt sind.
Wie wird mit Abweichungen umgegangen? Werden diese rechtzeitig und möglichst noch im Produktionsprozess erkannt, können die Erkenntnisse direkt umgesetzt und Fehler ausgebessert oder vermieden werden. Werden Fehler zu spät erkannt und ist das Modell bereits gefertigt, wird der Aufwand je nach Mangel immer größer und teuerer, diesen zu beheben. Während meines Aufenthaltes konnte ich erleben, dass selbst kleine Fehler bei einer Endabnahme noch zur Behebung angewiesen wurden.
Gerade für Leserinnen und Leser eines Fachmagazins ist es wichtig zu verstehen, wo Qualität entsteht – und wo sie verloren gehen kann.
Wie bisher, sende ich noch ein paar Impressionen von der Reise. Viel Freude beim Betrachten der Bilder.












