Teil 3: Zwischen Werkstor und Alltag
Wer über Produktion spricht, darf nicht nur über Maschinen reden. Modelle entstehen nicht von selbst – sie werden von Menschen gebaut. Menschen mit Routinen, Gewohnheiten, Erwartungen und Zwängen.
Wegen den bevorstehenden Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr waren nur wenige Arbeiter in den Firmen, einige wurden gar für den europäischen Besuch einbestellt. Während und abseits der Fabrikbesuche nahm ich mir bewusst Zeit, um das alltägliche Leben wahrzunehmen:
Viele der eingesetzten Mitarbeiter werden projektbezogen von Arbeitsvermittlungen eingekauft. Mit jedem Modell gewinnen diese an Erfahrung, was zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitsgeschwindigkeit und -genauigkeit führt. Andere, wie die Konstrukteure, Designer und auch Meister sind fest angestellt. Hersteller sind bestrebt, eine nahtlose Produktion von einem Modell zum nächsten zu gewährleisten. Ohne Aufträge können sich die Betriebe eine Weiterbeschäftigung der Personale nicht leisten und entlassen diese, anders als in unseren Gefilden üblich, von heute auf morgen. Dies führt zum Verlust erfahrener Mitarbeiter. Da die Löhne in der Regel niedrig sind, sind die Menschen gezwungen, schnellstmöglich eine neue Arbeitsstelle zu finden, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Der Arbeitstag beginnt früh morgens mit einem kurzen Antreten des Personals vor Arbeitsbeginn, gefolgt von einer Unterweisung der zu erledigenden Aufgaben. Während der Arbeitszeit herrscht in den Werkhallen eine ruhige Atmosphäre. In den Pausen nehmen sich die Arbeiter Zeit für eine kurze Mahlzeit, gefolgt von geselligen Runden mit Plausch und Gelächter, entweder innerhalb oder außerhalb der Werkhallen.
Insgesamt habe ich festgestellt, dass der Umgang in Unternehmen trotz strenger Hierarchien respektvoll ist. Anders sieht es jedoch oft außerhalb der Werkshallen aus. Im Straßenverkehr ist jeder gerne der Erste, und die vielen kleinen Motor- und Elektroroller kommen einem trotz klarer Regeln gerne auf der eigenen Fahrspur in entgegengesetzter Richtung entgegen – oft auch nachts ohne Licht.
Zwischen den Provinzen gibt es viele Unterschiede. Diese zeigen sich im alltäglichen Straßenbild, am Zustand der Fahrwege, der Gebäude und der Lebendigkeit in den Städten. Die Städte um Wuhan, in der Provinz Hubei, wirkten allesamt grau und farblos, andere wie Jiangtsu oder Qingdao dagegen lebendig, quirlig und bunt.
Auch wenn die Menschen in China nach europäischen Maßstäben weniger verdienen, gibt es doch viele, die mit viel Herzblut ihrer Arbeit nachgehen und einem Lächeln auf den Lippen ihre Hilfsbereitschaft zeigen. Wie die Zugbegleiterin der China Railways auf einem der Fotos.
Viele Dinge erschließen sich nicht sofort. Manche erst beim zweiten Hinsehen. Und manches bleibt fremd – was nicht negativ ist, sondern hilft, vorschnelle Urteile zu vermeiden.
Da ich mich in Kürze in eine Region begebe, in der die Verbindung per VPN stabiler wird, gibt es den nächsten Beitrag früher. Dort beleuchte ich die Entstehung der Modelle.
Nun noch einige Impressionen. Viel Freude beim Betrachten der Bilder!











